was ich jetzt mal loswerden muss!

 

Lange habe ich mit mir gerungen und letztendlich stand die Entscheidung doch schon seit einiger Zeit fest...


Aber fangen wir doch mal ganz am Anfang an:


Am 03. März 2012 habt ihr mich zum Vorsitzenden des Landesverbandes Baden-Württemberg gewählt – vielen Dank nochmal für das ausgesprochene Vertrauen. Zusammen mit den ebenfalls am LPT 2012.1 gewählten Landesvorständen haben wir dann in der Folgezeit eine Menge Arbeit bewältigt – seien es alte Tickets, die Vorbereitungen zu Bundestagswahl, die Aufstellungsversammlungen für die Direktkandidaten, die Aufstellung der Landesliste zur BTW oder aber die Landesgeschäftsstelle in Stuttgart.

 

Ich persönlich habe mich z.B. um die rechtlichen Seiten der Aufstellungsversammlung gekümmert, anfänglich pro Woche mindestens 2 wenn nicht sogar 3 Redaktions- bzw.Hintergrundgespräche geführt und bin dafür teilweise durch das ganze Bundesland gefahren. Ich war bei 3 TV-Regionalsendern live in Nachrichtensendungen, habe zwei Berichte des SWR an Stammtischen in die Wege geleitet, war auf dem berühmten „roten Sofa“ der dpa in Stuttgart, habe mich zu „Piraten-Themen“ z.B. bei Radio Regenbogen, dem SWR3 oder bei DAS DING initiativ zu Wort gemeldet und vieles mehr. Nebenbei habe ich immer wieder bei der Arbeit der Landespresse mitgewirkt – sei es nur als Zitatgeber oder auch als Autor.

 

Die nebenher laufenden Verwaltungstätigkeiten wie die Bearbeitung von neuen Tickets, die Vor- und auch Nachbereitung von Landesvorstandssitzungen oder aber auch die Aufrechterhaltung der Kommunikation zu Über- und auch Untergliederungen haben wir auch immer wieder forciert.

 

Ich bin davon überzeugt, dass wir trotz der einen oder anderen Schwierigkeit insgesamt eine wirklich gute Arbeit geleistet haben. Wir haben dank des Einsatzes des Vorstandsteams und deren Beauftragten alle Klippen im Vorfeld der Aufstellungsversammlungen umschifft und konnten in knapp 2 Tagen eine rechtssichere Landesliste – mit der ich persönlich übrigens sehr zufrieden bin – aufstellen. Im Vorfeld der Landesaufstellungsversammlung verging keine Woche, in der wir nicht mit einer oder auch mehreren Anfragen an das Büro der Landeswahlleiterin herangetreten sind  - unseren Anfragen wurden immer zeitnah und ausführlich beantwortet.

 

Leider gab es auch sehr negative Erfahrungen, die ich als Landesvorstand machen musste. So ging es keine 3 Wochen nach der Landesaufstellungsversammlung in Wernau damit los, dass ich anonyme – zuerst nur beleidigende – Mails erhalten habe. In vielen dieser Mails wurde ich als „Bremser“, Anti-Progressives Arschloch usw. tituliert. Aufgund der doch sehr unterschiedlichen Formulierungen kann ich sicher sein, dass es mindestens 6 wenn nicht sogar mehr Personen sind, die diese Mails verschickt haben.

 

Dann gab bzw. gibt es noch die ewig schwelenden Streitereien um den Bundesvorstand: Auch hier habe ich eine klare Haltung. Wer Mehrheitsentscheidungen nicht akzeptieren kann, muss gehen. Also auch von mir ganz klare Worte: Johannes Ponader, treten Sie umgehend zurück – sie schaden sich, sie schaden der Piratenpartei, sie schaden jedem, der sich politisch engagiert!

 

Seit dem Beginn der Querelen um Johannes Ponader habe ich schätzungsweise an die 80 Anfragen – telefonisch und per Mail – zu diesem Thema bekommen. Jedes mal habe ich das Gespräch mit den Journalisten gesucht und sie davon überzeugt, dass die Piratenpartei kein zerstrittener, planloser Haufen ist. Habe ich mich getäuscht?

 

Hinzu kamen dann auch noch immer wieder haltlose und leicht widerlegbare Vorwürfe, der Landesvorstand würde intransparent seine Entscheidungen treffen und „klüngeln“. Anfangs bin ich noch darauf eingegangen, habe dies aber schnell als absolut sinnlos sein lassen. Auch oder vor allem, weil mir meine doch knapp bemessene Zeit dafür einfach zu Schade war. Neben meiner normalen Berufstätigkeit habe ich durchschnittlich 34,65 Stunden pro Woche in die Parteiarbeit investiert – von Geld- und Materialeinsatz mal ganz abgesehen. Sehr oft kam man, zum Beispiel in der heißen Phase der Vorbereitung zur Listenaufstellung, auch gerne mal auf mehr als 60 Wochenstunden.

 

In einigen Bereichen, die nicht in meinem bzw. unserem Verantwortungsbereich lagen, „sollten“ wir auch tätig werden – so wurden nach einer Aufstellungsversammlung zu einer Direktkandidatur die Unterlagen, sagen wir mal, verschlampt. Hier wurde der Landesvorstand bzw. vielmehr ich für die Aufklärung verantwortlich gemacht. Verantwortlich für einen Vorgang, bei dem ich nicht mal persönlich anwesend war. Ich habe mich bereit erklärt, dass zu übernehmen und habe dies auch, nachdem alle anderen vorrangigen Tätigkeiten erledigt waren auch angestoßen. Anscheinend ging dies einigen Personen aber nicht schnell genug!

 

Kommentar meinerseits hierzu: Sagt mal Leute – habt Ihr noch alle Tassen im Schrank? Wir, also der Landesvorstand, haben durchaus wichtigeres zu tun, als herauszufinden, wo Ihr Fehler gemacht habt. Wir arbeiten so schnell wie wir können – aber wir priorisieren unsere Tätigkeiten auch.

 

Und eins noch: Wenn ihr untereinander Probleme habt, dann klärt das bitte unter euch – wir sind nicht eure Kindergärtner!

 

Was mich persönlich auch wirklich hart getroffen hatte, war der Rücktritt von Marco 'DaK1lla' Geupert. Mit ihm hat der Landesverband einen fleißigen, loyalen und auch sehr gewissenhaften Beisitzer im Landesvorstand verloren. Trotz aller Bemühungen gelang es uns nicht, Marco von einem Rücktritt abzuhalten. Danke Marco – danke für deinen Einsatz. Es hat mir immer Spaß gemacht mit dir zu arbeiten!

 

Auch muss man sich dann noch wiederholt öffentlich von der Seite anmachen lassen – und wenn man dann jemanden, der der Meinung ist, dass die Piratenpartei bzw. der LV BaWü scheiße ist (und das ist ein Zitat), schreibt, dass er auf einer bestimmten Seite ein Austrittsformular findet, regen sich manche darüber auf! Daraufhin gab es die Forderung – die übrigens nie an mich persönlich gestellt wurde - ich sollte mich doch bei der besagten Person entschuldigen um dann wieder auf „Augenhöhe miteinander reden zu können“. Ich sage dazu nur: Ich kann mich gar nicht so tief bücken, wie es nötig wäre, damit ich mit dieser Person auf „Augenhöhe“ kommunizieren könnte. Viele werden sich Fragen, warum ich bei dieser einen Person so hart reagiere. Dies hat schon seinen Grund: Vielleicht fragt ihr diese Person mal, was sie von anonymen Mails in 2011 und 2012 weiß? Und bevor hier Fragen kommen: Ja, es wurde der Person zweifelsfrei nachgewiesen, dass diese Mails von ihr stammen.

 

Dann noch die Tatsache, dass man mir unterstellt, ich würde den nächsten Landesvorstand „zusammenbasteln“ - und das nur, weil ich, bevor ich jemanden auf die Vorschlagsliste setze, mit dieser Person darüber spreche und mir ein „OK“ hole? Auch ich als Landesvorstand darf Personen für den zu wählenden Vorstand vorschlagen!!

 

Aber der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat, waren Androhungen von körperlicher Gewalt – und das nicht nur gegen mich, sondern auch gegen meine Familie. Gegen meine Frau und gegen meine beiden Söhne (7 Monate, 4 Jahre alt) – hier ist der Spaß endgültig vorbei! Die entsprechenden Mails und Briefe liegen bei den Ermittlungsbehörden und sollte(n) die besagte(n) Person(en) ermittelt werden können, so kann/können sich diese schon jetzt auf einiges gefasst machen. Bei meiner Familie hört der Spaß auf und ich werde diese Person(en) mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln zur Rechenschaft ziehen (lassen). Auch hier muss davon ausgegangen werden, dass die Mails und Briefe von mehreren Personen stammen – zumal die Briefe aus verschiedenen Regionen Baden-Württembergs abgesendet wurden. Auch muss ich leider davon ausgehen, dass diese Drohbriefe von Parteimitgliedern stammen, da in den meisten dieser Schreiben auf Partei-Interna, ja teilweise sogar auf Dinge, die nur Vorstände von Gliederungen im Landesverband wissen können, Bezug genommen wird.

 

Aber nun zum eigentlichen Grund dieses Schreibens:

 

Aufgrund der genannten Vorkommnisse, Beleidigungen und vor allem wegen der Androhung körperlicher Gewalt gegen mich, meine Frau und auch vor allem gegenüber meinen Kindern werde ich:

 

1. am nächsten Landesparteitag nicht mehr kandidieren.

2. mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg zurücktreten.

3. gegenüber dem GenSek des LV meinen Austritt mit sofortiger Wirkung erklären.

4. in den nächsten Tagen meinen Tätigkeitsbericht anfertigen, veröffentlichen und zusätzlich dem Landesvorstand übersenden.

Eine weitere ehrenamtliche Tätigkeit ist für mich, unter den gegebenen Voraussetzungen, momentan nicht mehr möglich und auch von meiner Seite aus nicht erwünscht. Ich werde nicht Zeit, Geld und Kraft investieren, wenn die geleistete Arbeit so gering geschätzt, an anderer Stelle ein Kampf um persönliche Befindlichkeiten (ja, damit ist Johannes Ponader gemeint) geführt und sogar unbeteiligten Personen und Kindern Gewalt angedroht wird.

 

Ich würde mich sehr freuen, wenn es zukünftigen Vorständen – egal welcher Ebene – zukünftig besser ergehen würde – ohne Beleidigungen, Drohungen und Verleumdungen. Ich habe sehr viel Zeit, Geld und Kraft in das Projekt „Piratenpartei“ investiert und gehe mit einem weinenden und einem lachendem Auge. Ich werde meine Zeit zukünftig wieder vermehrt in meine verantwortungsvolle Tätigkeit im Unternehmen sowie auch verstärkt in meine Familie – vor allem in meine beiden Söhne – investieren. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei allen Piraten, welche mich in den vergangenen Jahren – auch außerhalb meiner Vorstandsarbeit – tatkräftig unterstützt haben. Besonderer Dank gilt besonders meinen Vorstandskollegen im Landesvorstand Ute, Septerra, NineBerry, Lama, S3 und auch Marco. Es hat mir meistens viel Spaß gemacht und ich werde die viele Arbeit vermissen.

 

Ich hoffe ihr wählt am kommenden Landesparteitag einen guten Landesvorstand, der alle ihm übertragenen Aufgaben – und das sind bis zur Bundestagswahl noch eine ganze Menge – bewältigen kann.


Lars Pallasch, 20. Februar 2013